„Das Geld und die Macht in der Evangelischen Kirche und ihre Bedeutung in den augenblicklichen
Reformen und Umstrukturierungen“ –
von Johann Cornelius, Groningen/Niederlande
„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“
Matthäus 6,24
Seit 1995 sind die Kirchensteuereinnahmen der Evangelischen Kirchen in Deutschland drastisch zurückgegangen.
Über viele Jahre wurde darauf reagiert, indem man die Stellenpläne kürzte.
Damit ist man allmählich an Grenzen gestoßen!
Man muss sich grundsätzlich Gedanken machen!
- Was geschieht zur Zeit?
- Wie handeln die Kirchenleitungen und -verwaltungen?
- Wie reagieren sie auf die Krise und warum?
Zunächst ein Blick auf die unterschiedlichen Finanzierungsmodelle der Evangelischen Kirchen in Deutschland
und der großen Mehrheit der evangelischen Kirchen in aller Welt:
Fast alle evangelischen Kirchen in der ganzen Welt finanzieren sich von unten nach oben:
Die Gemeinden müssen ihre Ausgaben durch Einnahmen ausschließlich von ihren Mitgliedern finanzieren:
Den Pfarrer, den Organisten, die Katechetin, den Bau und die Unterhaltung eines Kirchengebäudes, des Gemeindehauses usw.
Von dem, was übrig bleibt, geben sie einen Teil an die Landeskirche für übergemeindliche Aufgaben:
Die Pfarrer- und Kirchenmusikerausbildung und die Finanzierung von Kirchenleitung z.B. das Gehalt des Bischofs usw.
Die Evangelischen Kirchen in Deutschland finanzieren sich genau andersherum:
Hier bei uns nimmt die Kirchenleitung und -verwaltung zunächst die Kirchensteuer ein,
die der Staat von den Kirchenmitgliedern
bereits mit der Lohn- und Einkommenssteuer automatisch vom Lohn abgezogen hat.
Das Geld wird also faktisch zentral von der Kirchenleitung und deren Verwaltung eingenommen.
Von diesem großen Topf werden nun zunächst die Kirchenleitung und –verwaltung finanziert,
was übrig bleibt, geht an die Kirchenkreise
und die verteilen, nachdem sie ihren Teil bekommen haben,
den Rest an die Gemeinden –
alles nach einem Schlüssel, den die Landessynode beschließt –
auf Vorschlag der Verwaltung.
In Deutschland fließt das Geld bei den Kirchen also von oben nach unten!
Mit diesem Modell waren alle solange zufrieden, wie die Kirchensteuer von Jahr zu Jahr stieg –
trotz Mitgliederschwund!
Das Geld wurde mehr, es gab mehr zu verteilen –
und darauf beruhte letztlich auch die Macht und das Ansehen der Kirchenleitung und –verwaltung!
Das ist seit 1995 vorbei!
Die Kirchensteuereinnahmen sanken bis 2005 drastisch –
manche Landeskirchen verloren bis zu 1/3 ihrer Einnahmen!
Lange Zeit sprach man vom „Gesundschrumpfen“ der Kirche und davon,
dass eine ärmere Kirche sich von allein nun wieder
um „das Eigentliche“ kümmern würde …
In der Landwirtschaft weiß man aber schon immer:
„Wenn der Trog kleiner wird und das Futter weniger, aber die Zahl der Kühe gleich bleibt,
wird das Stoßen um so schlimmer.“
Ähnliches kann man zur Zeit in der Kirche beobachten:
Das Geld wird weniger, also verschärfen sich die Machtkämpfe um das verbleibende Geld
und vor allem um die Immobilien, die den eigentlichen [materiellen] Reichtum der Kirche ausmachen!
Diese Immobilien aber sind vor allem im Besitz der Ortskirchengemeinden in Stadt und Land –
die Kirchenkreise und die Landeskirche haben bisher praktisch keinen Zugriff darauf!
Bisher!
Nach den Großfusionen sieht sicher alles ganz anders aus …